Landfunk 13-1-16

Welche Bäume haben bei uns Zukunft?

Sollen sie oder sollen sie nicht? Die Frage dreht sich um eingeführte Baumarten wie die aus Nordamerika stammende Douglasie.

Sollen sie in heimischen Wäldern angebaut werden und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Die heutige Forstwirtschaft will Wälder so behandeln, dass deren Produktivität, Vitalität und biologische Vielfalt erhalten bleiben. Dabei greift es bei den vielgestaltigen Anforderungen an den Wald zu kurz, einseitig nur die Rohholzerzeugung oder nur den Naturschutz zu betrachten.

Der Anbau eingeführter Baumarten begann in Deutschland bereits Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Eindruck allgemeiner Holznot. Ziel war, die Leistungsfähigkeit übernutzter Wälder wieder zu erhöhen. Für den heutigen Waldbau erfordert die Einbindung eingeführter Baumarten Kompromisse, die sich auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Regel auch finden lassen. Dabei geht es vor allem um das invasive Potenzial gebietsfremder Arten, also das Risiko, dass sich eine konkurrenzstarke Art unkontrolliert ausbreitet und heimische Arten zurückdrängt.

Mit dieser Frage befasst sich das neu erschienene Buch „Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten“, das Forstwissenschaftler der Universität Göttingen, der Nordwestdeutschen Versuchsanstalt und des Thünen-Instituts für Waldökosysteme herausgegeben haben.

28 Autoren mehrerer Einrichtungen beurteilen darin 15 eingeführte Baumarten für die Forstwirtschaft und den Naturschutz. Die Bewertungen basieren auf der Auswertung wissenschaftlicher Literatur und langjährigen Forschungsarbeiten auf Versuchs- und Anbauflächen.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass der Anbau nicht-invasiver eingeführter Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Roteiche vom Naturschutz in gewissen Grenzen ebenso akzeptiert wird, wie seitens der Forstwirtschaft naturschutzfachliche Interessen berücksichtigt werden. So sollte auf eine räumliche Ordnung beim Anbau nicht-invasiver Arten und auf das Zurückdrängen invasiver Arten wie Spätblühende Traubenkirsche, Götterbaum, Rotesche und Eschenahorn geachtet werden.

Die Ausarbeitung der Autoren soll die zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft aufgekommene Diskussion um den Umgang mit eingeführten Baumarten versachlichen.

Simbabwes Landwirtschaft im Aufwind
Der Farmer Baldwin Mazango sprüht geradezu vor Stolz, wenn er Besuchern in Simbabwe seinen Betrieb zeigt.

Mais und Kartoffeln wachsen in sauberen Reihen, Gurken reifen in drei Gewächshäusern, auch Zwiebeln und Sojabohnen gedeihen. Zudem züchtet der 30-Jährige Rinder, Ziegen und Hühner, die vor einer grünen Hügelkette weiden.

Das Szenario in Mazowe etwa 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare ist idyllisch - die Geschichte, die dahintersteht, ist es nicht.

Mazango ist einer von zahlreichen schwarzen Bauern, die von der umstrittenen Landreform in dem Staat im südlichen Afrika profitiert haben. Der ebenso umstrittene Präsident Robert Mugabe hatte die Reform 1980 angeordnet, um insgesamt 13 Millionen Hektar Land, das von 6.000 weißen Farmern bewirtschaftet wurde, unter 260.000 schwarzen Familien aufzuteilen. Durch die Reform haben viele Weiße ihr gesamtes Lebenswerk verloren, weil sie oftmals gewaltsam enteignet wurden.

Gleichzeitig führte Mugabes Wirtschaftspolitik die ehemalige britische Kolonie zeitweise an den Rand des Ruins, denn statt erfahrener Landwirte standen plötzlich Menschen auf den Feldern, die noch nie Gemüse gepflanzt oder Tiere aufgezogen hatten.

Die Regierung schickte zwar manchmal Berater, einen Traktor, Samen, Dünger und Beikrautvernichtungsmittel - doch dann waren die Leute auf sich allein gestellt. Von 1999 bis 2008 schrumpfte die Wirtschaft Simbabwes um die Hälfte: Der frühere Brotkorb Afrikas musste nun selbst die meisten Lebensmittel importieren.

Die schwarzen Jungbauern freuten sich derweil über ihren neuen Besitz. «Ich schäme mich nicht, auf dieser Farm zu sein», erklärt Mazango. «Dies hier war unser Land, bevor wir damals vertrieben wurden.» Tatsächlich scheint sich die Geschichte zu wiederholen - nur umgekehrt. Denn Anfang der 1930er Jahre hatte die weiße Verwaltung der damaligen Kolonie Südrhodesien ein Landgesetz eingeführt, wonach der Besitz der fruchtbarsten Ländereien den Briten vorbehalten war.

Nach der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 kündigte der Ministerpräsident und Hoffnungsträger Mugabe an, die schwarze und weiße Bevölkerung sollten Simbabwe gemeinsam entwickeln. Die Landreform wurde geboren, um das Agrarland gleichmäßiger zwischen der weißen Minderheit und der schwarzen Mehrheit aufzuteilen.

Doch mit der Jahrtausendwende nahm die Reform immer radikalere Züge an. Weiße Bauern wurden brutal enteignet, etwa zehn von ihnen getötet. Nur ganz selten habe es Entschädigungen gegeben, sagt der Vizepräsident des Bauernverbandes CFU, Peter Steyl. Zudem monieren Kritiker, dass sich Parteikollegen Mugabes von der ZANU-PF die besten Ländereien angeeignet hätten, statt armen Menschen eine Chance zu geben. «Die Reform war ein Werkzeug politischer Vetternwirtschaft», sagt Obert Gutu von der Oppositionspartei MDC.

Derweil haben Mazango und manche seiner Kollegen das Farmerhandwerk erlernt und die Produktion einiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse wieder fast auf den Stand gebracht, die sie vor der Landreform hatte. Manche übersteigen die frühere Produktion sogar. Erfolge verbuchten vor allem die Tabak-, Zucker- und Hirseindustrie, sagt Sam Moyo vom Afrikanischen Institut für Agrarstudien. Erbsen und Zuckermais werden nach Angaben der nationalen Farmervereinigung nach Europa exportiert.

«Wir hatten viele Rückschläge, aber wir haben daraus gelernt», betont Mazango. Er beschäftigt mittlerweile sechs Mitarbeiter, hat ein Bewässerungssystem installiert und besitzt ein Haus und ein Auto.

Heute gibt es laut CFU noch etwa 300 weiße Farmer, von denen einige weiterhin dazu gedrängt würden, ihre Höfe zu verlassen. Allein in den vergangenen fünf Monaten habe ein halbes Dutzend von ihnen das Handtuch geworfen.

Einer, der geblieben ist, erläutert seine Beharrlichkeit: «Wenn man mich vertreibt, dann wird meine Familie alles verlieren, wofür wir gearbeitet haben, und meine Angestellten werden ohne Dach über dem Kopf und arbeitslos sein.» Seinen Namen will der weiße Großfarmer vorsichtshalber nicht nennen - und auch nicht öffentlich machen, wo sich seine Ländereien befinden. Doch wie viele andere hofft er, dass der Druck nachlässt, wenn der greise Mugabe seine Macht an die nächste Generation abgibt.

Elektrotechnik wird immer kurzlebiger

Geschirrspüler und Waschmaschinen verbrauchen heute deutlich weniger Energie und Wasser als früher. Nur länger halten - das tun die meisten Haushaltsgeräte nicht.

Experten haben festgestellt: Der «Lebenszyklus» vieler Geräte ist heute sogar kürzer als früher. Dadurch entsteht mehr Abfall. Noch höher ist der Ex-und-Hopp-Faktor bei Handys und Laptops. Sie werden oft auch ausgetauscht, wenn sie noch funktionieren.

Wie lange hält ein Haushaltsgerät heute im Schnitt?

Das ist je nach Produktgruppe unterschiedlich. Insgesamt ist die Nutzungsdauer der in Deutschland verwendeten Geräte jedoch gesunken. Bei einer Befragung von Käufern neuer Waschmaschinen durch das Öko-Institut im Jahr 2004 stellte sich heraus, dass die alten Geräte im Durchschnitt nach 12,5 Jahren kaputt gegangen waren. In den Jahren 2012 und 2013 lag der Durchschnittswert nur noch bei 11,6 Jahren.

Woran liegt das?

Die Geräte sind in den vergangenen Jahren insgesamt preiswerter geworden, die Reparaturen nicht. Deshalb entscheiden sich die Verbraucher oft gegen die Reparatur und für den Neukauf. Das ist schlecht für die Umwelt, da mehr Ressourcen für die Herstellung neuer Geräte benötigt werden und mehr Abfall anfällt. Es ist jedoch gut für das Geschäft.

Einige Umweltverbände sehen böse Absicht im Spiel. Sie behaupten, manche Hersteller würden ihre Geräte bewusst so konstruieren, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputtgehen und besonders schwer zu reparieren sind.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagt, der Gesetzgeber sollte hier eingreifen. Er sollte die Hersteller zu längeren Garantiezeiten und «preiswerteren Reparaturen» verpflichten. Denn dann hätten diese selbst ein Interesse daran, «robustere Geräte» zu bauen.

Was ist mit Computern und anderem Arbeitsgerät?

Evelyn Hagenah vom Umweltbundesamt geht davon aus, dass einige Drucker von den Herstellern bewusst so konstruiert werden, dass sie schon nach wenigen Jahren ausgetauscht werden müssen. Sie sagt: «Da ist vielfach dokumentiert, dass es eben vorgesehen ist, dass nach einer Weile das Schwämmchen voll ist von der Resttinte, und dann funktioniert der Drucker nicht mehr. Das ist also wirklich ein Fall von geplantem Verschleiß.» Bei Notebooks sieht es etwas anders aus.

Sie werden oft ausgewechselt, obwohl das alte Gerät noch gar nicht kaputt ist. Entweder weil ein neues Modell attraktiver erscheint oder weil neue Software nicht auf dem älteren Gerät läuft. Nur etwa jedes vierte Notebook, das in den Jahren 2012 und 2013 ausgetauscht wurde, funktionierte nicht mehr.

Und wie lange hält ein Handy?

Laut Stiftung Warentest tauschen 42 Prozent aller Mobiltelefon-Nutzer in Deutschland ihr Gerät innerhalb von zwei Jahren aus. 16 Prozent nutzen das Handy drei Jahre lang. Weitere 12 Prozent besorgen sich im Schnitt alle vier Jahre ein neues Handy. Nur etwa 20 Prozent der Handy-Besitzer telefonieren mit ihrem Gerät fünf Jahre oder länger.

Mehr als die Hälfte derjenigen, die häufig ihr Handy wechseln, tun dies nicht, weil das alte Mobiltelefon kaputt ist. Der häufigste Grund für einen Neukauf ist der Wunsch nach einem noch besseren Gerät. Mehr als ein Viertel der Handy-Nutzer, die ihr Telefon innerhalb der ersten drei Jahre wechselten, gaben bei einer Befragung an, sie erhielten durch ihren Mobilfunk-Vertrag regelmäßig ein neues Gerät.

Nordkorea braucht mehr Wald

Die Straßen rund um Pjöngnang werden deutlich leerer, allerdings auch holpriger. Das Auto muss zahlreichen Schlaglöchern ausweichen.

Entlang der fast schnurgeraden Straße von der nordkoreanischen Hauptstadt in Richtung Hyangsan in der Provinz Nord-Pyongan fallen zu beiden Seiten die zumeist kahlen Hügel auf.

In Nordkorea wurden viele Jahre lang Bäume willkürlich gefällt und zu Brennholz verarbeitet, weil Energie fehlt. Und Felder werden teilweise unerlaubt bewirtschaftet, weil es an Nahrungsmitteln mangelt.

Die Bodenerosion ist ein riesiges Problem, das auch das kommunistische Regime des Machthabers Kim Jong Un erkannt hat. In den Landesmedien werden die staatlichen Zentren zur Waldbewirtschaftung offen kritisiert, das Volk zum «Wiederaufbaukampf für die Wälder» aufgerufen.

Hyangsan liegt etwa 140 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Hier und in den anderen Landkreisen Unsan und Kujang unterstützt die deutsche Welthungerhilfe seit drei Jahren ein neuartiges Projekt, das den Menschen größere Ernährungssicherheit bringen soll. Zweck ist allerdings nicht nur die Verbesserung der Anbaumethoden auf Berghängen, sondern auch die Aufforstung mit unterschiedlichen Baum- und Straucharten. Auch werden Pläne für die Katastrophenvorsorge entwickelt.

Sieben Bundestagsabgeordnete der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe machten sich vor Ort ein Bild von dem Hanglagenprojekt. «Wenn Du einen Baum fällst, pflanze drei neue!», nennt der Biologe von der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang, Jo Song Ryong, das Motto. Er besucht zweimal monatlich Hyangsan. «Früher gab es keinen Erosionsschutz; durch das Projekt wird auch die landwirtschaftliche Produktion erhöht.» Kahlschlag hat in einigen Gegenden zu großflächigen Erosionen geführt. Fällt starker Regen, wird wertvoller Mutterboden weggeschwemmt.

Auf den in Parzellen aufgeteilten Hängen arbeiten vor allem Hausfrauen und ältere Menschen, die sich neben den bestehenden Kooperativen zu Landnutzungsgruppen zusammenschließen, erläutert Jo. Durch die Hangbewirtschaftung verdienen sie für ihre Familien ein zusätzliches Einkommen.

Die Nebenerwerbsbauern verkaufen ihre Produkte selber auf den Märkten. «Die Menschen übernehmen Verantwortung», sagt Jo. Auch der Projektleiter der Welthungerhilfe, Lars Düerkop, sieht darin ein beispielhaftes Projekt: «Es ist eine Heidenarbeit, die Hänge zu bearbeiten, dadurch wurden aber bereits über 60 Prozent Bodenerosion verhindert.» Die Welthungerhilfe unterstützt dadurch 1.500 Familien.

Doch Reform würde er das nicht nennen, eher eine «Innovation», sagt Jo vorsichtig. Solche Landnutzungsgruppen gebe es jetzt im ganzen Land. Das Regime stärkt seit wenigen Jahren ganz allgemein private Initiativen stärker und lässt auch marktwirtschaftliche Mechanismen zu. Doch die Fortschritte seien langsam, sagen westliche Beobachter. Nordkorea ist ein zentralistisch geführter Staat. Die Arbeit der nicht-staatlichen Organisationen und Stiftungen aus Deutschland und anderen Ländern ist oft kompliziert.

In Deutschland sei man sehr bestürzt gewesen, als Anfang dieses Jahres zwei Mitarbeiter der Welthungerhilfe das Land verlassen mussten, sagt der Vorsitzende der Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk. «Die Welthungerhilfe braucht verlässliche Rahmenbedingungen», fordert er in seinen Gesprächen.

Aufgrund der Misswirtschaft und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ist das Land auf Hilfe von außen angewiesen. Jetzt im Winter wird die Mangelernährung zu einem größeren Problem. Das Landwirtschaftsministerium bewertet die letztjährige Ernte als schlecht. 26 Prozent der Anbaufläche seien wegen der langen Dürre geschädigt worden.

«Etwa 200.000 Tonnen Reis gingen verloren», sagt ein Vertreter den deutschen Abgeordneten. In der Landwirtschaft seien in den vergangenen Jahren gewisse Fortschritte erzielt worden. Doch befinde man sich eigentlich seit den 1990er Jahren in einer schwierigen Lage. Der Beamte spielt dabei auf die große Hungersnot an, der damals Hunderttausende Nordkoreaner zum Opfer fielen.

«Nordkorea sagt, wir brauchen Hilfe, um die eigene Bevölkerung ernähren zu können», sagt die stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe, Bärbel Höhn. Das Problem komme auch daher, «dass natürlich alles Geld in die militärische Option geht und auch in die Kontrolle und Überwachung». Damit hemmten sie die eigene wirtschaftliche Entwicklung.

Für ein Linsengericht gibt Esau sein Recht als Erstgeborener an seinen Bruder Jakob ab. Schon im Alten Testament und davon abgeleitet im sprichwörtlichen Sinne gilt die Speise als wenig wertvoll und steht für einen schlechten Tausch.

2016 internationales Jahr der Hülsenfrüchte

Die Linse fristete hierzulande lange ein Schattendasein. Wie auch Bohne und Erbse. Zu Unrecht. Sie sind mit ihrem hohen Eiweißgehalt eine wichtige Nahrungsquelle, versorgen den Boden mit Nährstoffen und unterstützen eine nachhaltige Landwirtschaft.

Die UN haben 2016 zum «Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte» erhoben - «in dem Wunsche, auf die Rolle aufmerksam zu machen, die Hülsenfrüchten als Teil einer auf Ernährungssicherheit und gute Ernährung gerichteten nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion zukommt».

Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt empfehlen den Verzehr von Hülsenfrüchten als Teil einer gesunden Ernährung. Sie sollen Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs vorbeugen.

Tofu, Falafel und Hummus aus Kichererbsen, das nepalesische Nationalgericht Dal Bhat mit Linsen - die internationale Küche kommt ohne Hülsenfrüchte nicht aus. «In Kulturkreisen, in denen traditionell wenig Fleisch verzehrt wird oder werden kann, in Afrika, Asien und Südamerika, sind sie die wesentliche Protein-Ernährungsgrundlage», sagt Manuela Specht, Referentin bei der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP). Allerdings seien sie in Mitteleuropa «aus der Mode gekommen».

Fleisch essen galt in Zeiten des Wirtschaftswunders als Statussymbol. Und Hülsenfrüchte enthalten schwer verdauliche Zuckermoleküle. Die Folge: Blähungen. Gerade für Büromenschen ziemlich unangenehm. Mit einer Abkehr von hohem Fleischkonsum bekommen Hülsenfrüchte nun einen neuen Stellenwert. Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder ganz ohne tierische Produkte, also vegan. «Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich», sagt Kurt-Jürgen Hülsbergen, Professor für Ökologischen Landbau am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität (TU) München. Erbse, Bohne, und Linse seien kein Arme-Leute-Essen mehr. «Ich glaube, dass der Trend anhalten wird.»

Die EU-Agrarreform hat 2015 fast zur Verdoppelung des allerdings weiter geringfügigen Hülsenfruchtanbaus beigetragen. Denn die Bauern müssen nach den neuen Regeln fünf Prozent der Felder als ökologische Vorrangflächen bewirtschaften, etwa mit Leguminosen.

«Leguminosen sind praktisch ihre eigene kleine Stickstofffabrik», sagt Specht. Sie gehen eine Symbiose mit Bakterien ein, die an ihren Wurzeln Stickstoff anreichern, natürlicher Dünger. Zudem lockern sie den Boden. «Die Signale stehen auf Wachstum, weil sie für den Ackerbau so viel Gutes bedeuten», sagt Specht.

Nachteil: Bohne und Erbse unterliegen starken Ertragsschwankungen und kränkeln schnell. «Es ist ein großes Problem, gesunde Erbsen anzubauen», sagt Hülsbergen. Nicht zuletzt wegen des geringen Anbaus wurde wenig in neue Züchtungen investiert. Forscher und Bauern fordern hier dringend mehr Förderung von Forschung und Züchtung. Die Bundesregierung hat dazu eine «Eiweißpflanzenstrategie» aufgelegt.

Lupinen zählen ebenfalls zu den Hülsenfrüchten. Die Lupine galt bisher vorwiegend als Tierfutter - oder als bunte Zierde im Garten. Die Samen schmecken nicht, riechen nach Heu, und die Bitterstoffe können sogar giftig sein. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising (IVV) und der ausgegründeten Prolupin GmbH im mecklenburgischen Grimmen haben ein Verfahren entwickelt, um den bitteren und grasigen Beigeschmack zu entfernen. Es gelang ihnen, die Lupinen-Proteine für die Nahrungsmittelherstellung zu isolieren. Dafür bekamen sie den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten 2014.

Mit etwas Spürsinn finden sich erste Lupinen-Produkte im Supermarkt: Lupinen-Desserts, Nudeln, Brotaufstrich, eine Art Milch und Joghurt. «Die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Produkten ist riesig - und steigt», sagt Prolupin-Geschäftsführer Malte Stampe.

Mit dem neutralen Lupinen-Eiweiß lässt sich auch fein naschen. Eines der ersten Produkte war Lupinen-Eiscreme. Das Eiweiß kann für Feingebäck dienen - und soll, so ist zu hören, sogar für Schaumküsse geeignet sein. Es ist die Renaissance einer uralten Kulturpflanze: Schon die Ägypter gaben ihren Pharaonen Lupinensamen mit ins Grab.

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