Landfunk 16.12.15

Fressen Graugänse die Felder leer?

Hunderte von Graugänsen machen sich im Landkreis Hildesheim und in der Region Hannover auf den Äckern über die frisch gekeimten Raps- und Getreidesaaten her.

„Die Landwirte fürchten die immensen Fraß-, Kot- und Trittschäden, die die Tiere auf den Feldern anrichten“, erklärt Anne Fuhrberg, Landwirtin aus Söhlde. Die Tiere verursachen von Jahr zu Jahr mehr Schäden, weil sie sich stark vermehren. So hat sich die Anzahl an Brutpaaren in Niedersachsen von 1994 bis 2013 versechsfacht, berichtet der Landvolk-Pressedienst. Die finanziellen Schäden gehen jedes Jahr in die Tausende, und es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf Schadensausgleich.

Das Hauptproblem sind die zunehmenden Trupps nichtbrütender Gänse. Sie richten im Frühjahr die größten Schäden an. „Alle unsere Bemühungen, diese Nichtbrüter zumindest solange von unseren Feldern fernzuhalten, bis die jungen Pflanzen groß genug und für Gänse unattraktiv sind, blieben bislang wirkungslos“, erklärt Landwirt Friedrich Wilhelm Wandmacher aus Barnten. So stellen die Landwirte beispielsweise Vogelscheuchen auf und spannen Absperrbänder. „Während solche Vertreibungsmaßnahmen bei einigen Mitbürgern auf Unverständnis und Ablehnung stoßen, zeigen sich die wachsamen Gänse davon unbeeindruckt und fressen ungestört weiter“, beobachtet Wandmacher. Die verbleibende Alternative, die Bejagung der äsenden nichtbrütenden Gänse, ist jedoch im Frühjahr verboten.

Eine Kehrtwende könnte ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Nordrhein-Westfalen vom 30. März dieses Jahres bringen. Es besagt, dass die Schonzeit für nichtbrütende oder nicht jungtierführende Gänse von April bis Juli aufzuheben ist, wenn ein Landwirt durch Gänse erhebliche Schäden erleidet und andere Mittel zur Abwehr von Schäden nicht greifen. Inhaltlich in genau diese Richtung hat Landwirtin Fuhrberg bereits im Juni 2014 eine Petition in den Niedersächsischen Landtag eingebracht.

„Die Landesregierung weist auf das aktuelle Gänse-Monitoring hin, zu dem erst 2018 konkrete Ergebnisse erwartet werden, und lässt uns Landwirte mit dem Gänse-Problem weiterhin völlig allein“, stellt Fuhrberg fest. Zumindest der Landkreis Hildesheim hat die Brisanz der Lage erkannt und gehandelt: Im Sinne des OLG-Urteils aus NRW hat er seinerzeit im Juni 2014 die Jagdzeit von Ende Januar auf Ende März verlängert. Politische Unterstützung erfahren die betroffen Landwirte außerdem vom Landtagsabgeordneten Hermann Grupe.

„Politisch gewollte Gänse-Ansiedlungen und künstlich geschaffene Seenlandschaften sind die Gründe für die exponentielle Vermehrung der Graugänse. Nun ist es an der Zeit, die Verantwortung für die Folgen zu übernehmen“, meinen Fuhrberg und Wandmacher.

Niedersachsen ist Pferdeland

Die rund 190.000 Pferde in Niedersachsen sichern rund 40.000 Arbeitsplätze.

Das berichtete der Landesbauernverband unter Berufung auf Zahlen des Bundesverbandes für Pferdesport und Pferdezucht. Bundesweit leben demnach gut 300.000 Hufschmiede, Ausrüster, Futtermittelhersteller, Tierärzte, Reitlehrer, Züchter und Stallvermieter vom Pferd als Wirtschaftsfaktor. Rund 2,6 Milliarden Euro geben Reiter, Fahrer, Voltigierer und Züchter jährlich für laufende Kosten in Pferdesport und -haltung aus. Der Gesamtumsatz liegt pro Jahr nach vorsichtigen Schätzungen bei bis zu 6,5 Milliarden Euro.

Im Pferdeland Niedersachsen sind rund 130.000 Reiter in mehr als 1000 Reit- und Fahrvereinen organisiert. Inklusive der nicht im Verein aktiven Reiter soll die Gesamtzahl sogar bei 300.000 liegen.

Das Wappen des Bundeslandes Niedersachsen ist das springende weiße Ross im roten Feld. Es hat eine mehr als 600-jährige Geschichte. Die Hannoveraner sind mit rund 17.000 eingetragenen Zuchtstuten und mehr als 400 Hengsten eine der bedeutendsten Pferderassen der Welt.

Immer mehr Störche wandern nicht weiter

Störche überwintern inzwischen zunehmend in Deutschland.

«Vor allem in Westdeutschland geht der Trend dahin», sagte Storchen-Experte Kai-Michael Thomsen vom Naturschutzbund Nabu. «Die Tendenz nimmt auch dadurch zu, dass Menschen sie häufig mit Futter versorgen oder dass der Winter einigermaßen mild ist, so dass sie Futter finden.»

Hauptgrund sind nach Angaben des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Bayern jedoch Zuchtprogramme in den 50er und 60er Jahren in der Schweiz, im Elsass und in Baden-Württemberg. Die Zuchtvögel wurden eingesperrt und so am Wegfliegen gehindert. Dieses Verhalten hätten die Tiere nach ihrer Freilassung beibehalten und an ihre Nachkommen weitergegeben.

Der milde Winter spielt Nabu-Experte Thomsen zufolge eine indirekte Rolle beim Zugverhalten der Vögel. «Es ist nicht so, dass die Störche erkennen: Hier ist es mild, wir bleiben hier. Sie bleiben aus anderen Gründen hier und stellen dann fest: Es funktioniert.» Wenn sie auch hierzulande Futter fänden, sparten sie sich den kräftezehrenden Weg nach Afrika. So mancher Storch ziehe alternativ auch nur bis nach Spanien, Portugal oder Frankreich.

Wie viele Störche andernorts überwintern und wie viele heimische Gefilde vorziehen, konnte der Fachmann nicht sagen. Bundesweite Zählungen dazu gebe es nicht. Der LBV hat in Bayern inzwischen immerhin mehr als 200 Vögel erfasst, die lieber bleiben als in den Süden zu ziehen. Vor 14 Jahren seien es nur etwa 50 Störche gewesen, sagte die LBV-Storchenexpertin Oda Wieding.

Dem Nabu zufolge leben in Deutschland mehr als 6.000 Brutpaare. Ein Großteil brütet demnach in Brandenburg. Dass sie künftig alle in der Bundesrepublik überwintern, glaubt der Experte allerdings nicht. «Der Anteil derer, die überwintern nimmt zwar zu», sagt Thomsen. «Ich denke aber, dass der Storch auch in 20 Jahren noch ein Zugvogel ist.»

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