Landfunk 2-12-15

Vögel füttern - jedoch richtig!

In der kalten Jahreszeit freuen sich Meisen, Finken und andere Vögel über ein gut gefülltes Vogelhäuschen im Garten oder auf dem Balkon. Dort lassen sich die Piepmätze aus nächster Nähe beobachten. Das ist für Alt und Jung ein Naturerlebnis und vermittelt nebenbei noch Artenkenntnis. Der Naturschutzbund Deutschland empfiehlt eine Fütterung von November bis Februar, da in dieser Zeit mehr Vögel zur Futterstelle kommen und die niedrigen Temperaturen die notwendige Hygiene erleichtern.

Singvögel, die nicht gen Süden ziehen, müssen auch im Winter ihre Körpertemperatur bei rund 40 Grad aufrechterhalten. Das kostet viel Energie, die in Form von Futter aufgenommen werden muss und bei Eis und Schnee knapp werden kann. Die Vogelfütterung bietet allerdings keinen Schutz bedrohter Vogelarten, da von ihr fast ausschließlich wenig bedrohte Arten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Drosseln profitieren. Da ist es nachhaltiger, einen naturnahen Garten mit reichlichem Nahrungsangebot zu schaffen und auf Beikrautvernichtungsmittel zu verzichten.

Für die winterliche Vogelfütterung ist ein Futterspender bzw. Futtersilo die beste Wahl, welches an einem geschützten Ort aufgehängt wird. Im klassischen Vogelhäuschen wird das Futter leicht feucht oder mit Kot beschmutzt. Hier ist eine regelmäßige Reinigung mit heißem Wasser wichtig, um eine Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Legen Sie täglich nur eine geringe Menge Futter nach. An einer übersichtlichen Stelle können sich Katzen nicht anschleichen, und Sie haben selbst eine gute Sicht auf die Besucher. Sind Büsche in der Nähe, können sich die Vögel bei einem möglichen Sperberangriff schnell in Sicherheit bringen.

Ein gutes Basisfutter sind Sonnenblumenkerne, die von fast allen Vogelarten verzehrt werden. Futtermischungen enthalten auch andere Samen unterschiedlicher Art und Größe. Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Amseln, Wachholderdrosseln und Zaunkönige mögen auch Rosinen und anderes Trockenobst, Haferflocken und Kleie. Es wird möglichst in Bodennähe angeboten. Achten Sie allerdings darauf, dass das Futter nicht verdirbt. Meisenknödel mit hohem Fettanteil sind, wie der Name vermuten lässt, bei Meisen sehr beliebt. Verzichten Sie allerdings auf Produkte mit Netzen, da sich die Vögel mit ihren Beinen darin verheddern können. Gewürzte und gesalzte Speisen sind als Futter nicht geeignet, und auch Brot verdirbt leicht und quillt im Magen der Vögel auf.

K+S hat Abwasserprobleme

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S bekommt Probleme bei der Entsorgung seines Salzabwassers.

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel gebe dem Konzern ab diesem Monat keine weitere Erlaubnis zur Versenkung in den Boden, teilten die Behörde und das Hessische Umweltministerium mit.

Die Prüfung des Antrags und eines Modells, das Aussagen über die Umweltverträglichkeit geben soll, brauche noch Zeit - wie viel Zeit, sei unklar. «Der Zeitrahmen für eine so wichtige Entscheidung und ihre möglichen Folgen für die Trinkwassergewinnung im Kalirevier ist einfach zu knapp», sagte Regierungspräsident Walter Lübcke. Für die Zwischenzeit prüft das RP, ob jetzt eine streng befristete Übergangslösung mit geringeren Mengen möglich ist.

K+S betonte, wie wichtig das Erreichen einer Übergangsregelung bis zur endgültigen Entscheidung sei. Sie sei bedeutsam für die Fortführung der Produktion. Möglicherweise muss nun die Herstellung gedrosselt werden. «Die Kaliproduktion in Hessen und Thüringen ist in Abhängigkeit von der Wasserführung der Werra in wenigen Tagen möglicherweise nur noch eingeschränkt gewährleistet», sagte der Geschäftsführer der K+S Kali, Ralf Diekmann.

Durch die nicht erteilte Fortsetzung der Versenkerlaubnis in den Boden bleibt K+S ab Dezember nur noch der Entsorgungsweg über die Werra. Bei hohem Wasserstand kann mehr Salzabwasser eingeleitet werden, bei niedrigem Wasserstand weniger, um Grenzwerte nicht zu überschreiten, wie ein Sprecher erklärte. Behörde und Unternehmen gehen davon aus, dass vermehrte Niederschläge dafür sorgen werden, dass der Entsorgungsweg über die Werra vorübergehend ausreicht.

Umweltministerin Priska Hinz gab K+S die Schuld an der Situation: «Der vom RP beauftragte Behördengutachter hat leider erst seit Anfang November diesen Jahres vollständigen Zugriff auf das Modell, um die notwendigen Berechnungen selbstständig vorzunehmen.

K+S hat es versäumt, diese Möglichkeit bereits früher einzuräumen.» K+S erwiderte auf die Versäumnis-Vorwürfe: «Wir haben den Antrag für die Versenkerlaubnis im April aus unserer Sicht vollumfänglich eingereicht», sagte Sprecher Michael Wudonig. Bestandteil des Antrages zur Fortsetzung der Abwasser-Versenkung ist ein 3D-Modell. Es soll als Instrument zur Kontrolle für den Grund- und Trinkwasserschutz fungieren.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warf K+S eine verfehlte Entsorgungspolitik vor. Das Unternehmen sei am derzeitigen Dilemma «selbst Schuld». «Wenn der Konzern die Zeit der laufenden Genehmigung nicht genutzt hat, um sein gewaltiges Abfallentsorgungsproblem zu lösen, dann darf er jetzt nicht die Arbeitsplätze gegen den Schutz des Grund- und Trinkwassers ausspielen», sagte Jörg Nitsch aus dem BUND-Bundesvorstand.

Der Umweltschutzverband betonte: K+S trage alleine die Verantwortung dafür, «dass die Abfälle aus dem Kalibergbau umweltgerecht und entsprechend der Rechtslage entsorgt werden können». Wenn die Unbedenklichkeit der beantragten weiteren Versenkung nicht nachgewiesen sei, dürfe sie auch nicht erteilt werden.

Ähnliche Kritik äußerten auch die Grünen: Das Problem habe sich K+S selbst zuzuschreiben. Der Konzern habe wichtige Daten erst verspätet zur Prüfung eingereicht. Die Genehmigung könne auch nur gegeben werden, wenn eine Gefährdung des Trinkwassers ausgeschlossen sei.

Die oppositionelle SPD bewertete die Vorgänge als «befremdliches Verfahren». Womöglich wolle die Landesregierung das Thema über die Kommunalwahl im März 2016 hinwegführen. Kritik kam auch von der Linken: «Es ist unverantwortlich, dass Regierungspräsidium und Umweltministerium weiterhin so tun, als es könne eine Versenkung von Salzabwässern in den Untergrund geben, die im Einklang mit den Wasserrahmenrichtlinie und dem Wasserhaushaltsgesetz stehe.»

Beim Abbau von Kali entstehen große Mengen an salzhaltigem Abwasser. Diese werden zum einen in die Werra geleitet, zum anderen werden Millionen Kubikmeter in tiefe Gesteinsschichten in die Erde gepresst. Für letzteres Verfahren läuft die Genehmigung Ende des Monats aus. Deswegen hatte K+S im April beantragt, bis Ende 2021 pro Jahr durchschnittlich bis zu zwei Millionen Kubikmeter (bisher 4,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr) versenken zu können.

Für eine Verlängerung der Versenkerlaubnis bis 2021 muss K+S nachweisen, dass Trink- und Grundwasser nicht gefährdet werden. Die Versenkerlaubnis war von Kritikern und Umweltverbänden infrage gestellt worden. Selbst ein Gutachten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) vom Juli 2014 hatte eine Gefahr für Trink- und Heilwasserbrunnen durch die Lauge nicht ausgeschlossen. Ein plötzliches Aus der Produktion würde die gesamte Region treffen. 4.400 Arbeitsplätze sind nach Angaben von K+S gefährdet.

Wolfsmanagement weiter intenvisieren

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel will die Zusammenarbeit mit den Nutztierhaltern beim Wolfsmanagement weiter intensivieren.

„Wir nehmen die Sorgen der Tierhalter ernst und werden mit weiteren Maßnahmen dazu beitragen, dass sowohl der gesetzliche Auftrag des Artenschutzes als auch der Schutz der Nutztiere und die Unterstützung der Halter erfolgreich erfüllt werden", sagte der Minister in Hannover.

Die Beratung und Verbesserung des Herdenschutzes sei auf den Weg gebracht und der Ausgleich von finanziellen Schäden durch Billigkeitsleistungen läuft. Bei der Weiterentwicklung des Wolfsmanagements setzt sich das Umweltministerium für eine Verkürzung der Behördenabläufe, die weitere Schulung der Wolfsberater und den Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit durch das Wolfsbüro ein.

Wenzel: „Die niedersächsischen Schafhalter sind Fachleute, deren Wissen und praktische Arbeit einen sehr konstruktiven Beitrag für den Erhalt unserer Landschaften und unserer Arten leisten können." Deshalb müsste der Erfahrungsaustausch verbessert werden.

Zudem prüfe das Ministerium aktuell, inwieweit durch ein Partnerbetriebskonzept, die „Qualitätsarbeit der Halter" durch zusätzliche Maßnahmen bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt werden könne. Der Minister wird darüber zeitnah auch in einem Treffen mit Vertretern der Verbände sprechen.

Von großer Bedeutung für die Qualifizierung des Wolfsmanagements sei überdies eine stärkere Zusammenarbeit auf Bundesebene. „Der Wolf interessiert sich nicht für unterschiedliche Zuständigkeiten und die Länderhoheit", sagte Wenzel. Eine bessere Dokumentation und Koordination sei deshalb unerlässlich.

Auch die Managementmaßnahmen und die Öffentlichkeitsarbeit sollten bundesweit abgestimmt werden Ebenso müssten die Kontrolle und Überwachung (Monitoring), die Ausbildung und Bereitstellung von entsprechenden Experten, die Regelungen bezüglich des Nutztierschutzes und die Vorgehensweise bei der Erstattung von Schäden möglichst bundesweit einheitlich abgestimmt und vereinbart werden. Der Bund wird in Kürze ein Dokumentations- und Beratungszentrum einrichten, dass auf eine Bund-Länder Initiative zurückgeht.

Wind- und Solarkraft - keine Leitungen frei

Wind- und Solarkraftwerke müssen wegen fehlender Netze für den Transport des erzeugten Stroms immer häufiger abgeschaltet werden. Die Entschädigung, die die Anlagenbetreiber dafür erhalten, zahlen die Verbraucher.

Nach einem soeben veröffentlichten Monitoringbericht Energie der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes haben sich die Entschädigungszahlungen für das Abregeln 2014 um fast 89 Prozent auf 83 Millionen Euro erhöht. Seit 2013 hat sich die abgeregelte Strommenge fast verdreifacht. Der Netzausbau könne mit dem Anstieg der Erzeugung aus erneuerbaren Energieträgern immer noch nicht Schritt halten, betonte Netzagenturchef Jochen Homann.

Das Abregeln zur Sicherung der Netzstabilität ist nötig, wenn an wind- und sonnenstarken Tagen Leitungskapazitäten für den Transport des Stroms etwa von Nord- nach Süddeutschland fehlen. 2015 gehe der Zuwachs der Netzeingriffe weiter. Außerdem werden ganze Kraftwerke hoch- oder heruntergefahren. Auch diese sogenannten Redispatch-Maßnahmen nahmen 2014 zu. Die Kosten dafür liegen laut dem Bericht bei fast 187 Millionen Euro.

Vergrößert hat sich auch die Zahl der Kunden, denen wegen nicht bezahlter Rechnungen der Strom abgestellt wurde: Die Zahl der Stromsperren wuchs im vergangenen Jahr um rund 7.000 auf fast 352.000. Auf die Kunden kommen dann erhebliche Zusatzkosten zu: Für die Sperrung berechnen die Versorger laut Bericht im Schnitt 47 Euro Gebühr, für den Wiederanschluss noch einmal durchschnittlich 50 Euro.

Blauzungenkrankheit angeblich wieder da

Die Blauzungenkrankheit, an der zwischen 2006 und 2008 deutschlandweit Tausende Rinder starben, ist wieder auf dem Vormarsch.

Die Blauzungenkrankheit des Serotyps 4 habe sich von Asien, über die Türkei und den Balkan ausgebreitet und sei inzwischen auch in Österreich festgestellt worden, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas C. Mettenleiter. Die Erkrankung befällt Wiederkäuer wie Rinder und Schafe. Für den Menschen ist sie ungefährlich.

Nach Angaben von Mettenleiter sind vor kurzem in Frankreich auch wieder Fälle des Serotyps 8 festgestellt geworden. Dieser Typ des Erregers hatte in Deutschland rund 27.000 Bestände befallen, enorme volkswirtschaftliche Schäden verursacht und konnte mit der 2008 begonnenen Impfung Hunderttausender Rinder bekämpft werden. Seit November 2009 war kein neuer Fall in Deutschland aufgetaucht. Zu den Symptomen bei schweren Verläufen zählen bei Rindern unter anderem eine geschwollene, blaue Zunge und Atemprobleme.

Die Blauzungenkrankheit wird durch Gnitzen - kleine blutsaugende Mücken - übertragen. «Wir haben zum Glück eine Jahreszeit, die nicht sehr vektorenintensiv ist. Doch wir müssen darauf vorbereitet sein, dass sich diese Ausbreitungstendenz fortsetzt.» Vektoren sind Überträger von Krankheitserregern. Sie transportieren einen Erreger vom Wirt auf einen anderen Organismus, ohne selbst zu erkranken.

Das FLI als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit arbeitet nach den Worten von Mettenleiter derzeit an einer aktualisierten Risikobewertung. Diese könne möglicherweise in der Empfehlung enden, dass Wiederkäuer wieder geimpft werden sollten.

Straathof verliert vor Gericht

Der umstrittene Schweinezüchter Adrianus Straathof hat vor Gericht eine Niederlage erlitten.

Eine Anordnung des Landkreises Jerichower Land, wonach den Schweinen mehr Platz zur Verfügung gestellt werden müsse, sei rechtmäßig, teilte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg mit.

Die Klage eines Betriebs, der zu Straathofs Unternehmensgruppe gehört, gegen diese Anordnung wurde in zweiter Instanz zurückgewiesen.

Die Tierärzte des Landkreises hatten die Enge der sogenannten Kastenstände moniert, in denen die Schweine untergebracht waren. Sie beriefen sich dabei auf eine Vorschrift in der Nutztierhaltungsverordnung, wonach die Tiere genug Platz brauchen, um sich ungehindert hinlegen und Kopf und Beine ausstrecken zu können. Das Gericht teilte diese Auffassung. Eine konkrete Mindestbreite müsse jedoch nicht vorgeschrieben werden.

Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens begrüßte den Richterspruch und sprach von einer bundesweit wegweisenden Entscheidung. «Das Urteil bestätigt mich in meiner Auffassung, dass in der Tierhaltung an der Berücksichtigung des Tierwohls kein Weg vorbei führt», sagte er.

Als einen «Durchbruch für mehr Tierschutz in der Schweinehaltung» bezeichnete Dorothea Frederking, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, die Entscheidung. Von dem Urteil werde eine bundesweite Signalwirkung ausgehen.

In dem Fall ist zudem ein weiteres Verfahren wegen eines bundesweiten Tierhaltungsverbots anhängig. Welche Auswirkungen das aktuelle Urteil darauf habe, sei nicht abzusehen, hieß es weiter. Der Landkreis Jerichower Land hatte das Verbot 2014 gegen Straathof wegen Verstößen gegen den Tierschutz verhängt und damit für Aufsehen in der Branche gesorgt.

Straathof ist einer der größten Schweinezüchter Europas. In den fünf ostdeutschen Bundesländern und in Bayern gibt es insgesamt 18 Betriebsstätten. Im Herbst 2014 zog sich der Unternehmer nach massiven Vorwürfen der Tierquälerei seitens Behörden und Tierschützern aus der Geschäftsführung seiner LFD Holding zurück.

Ökostromförderung in neuen Dimensionen

Die milliardenschwere Ökostrom-Förderung in Deutschland wird grundlegend umgestellt. Die seit Jahren geltenden festen Fördersätze für Strom aus erneuerbaren Energien sollen ab 2017 zu großen Teilen abgeschafft werden, wie aus den jetzt bekannt gewordenen Leitlinien des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Die Höhe der finanziellen Förderung wird dann per Ausschreibung im Wettbewerb vergeben. Für Windparks an Land und See sowie große Solaranlagen etwa machen Ausschreibungen dann jährlich 80 Prozent der Strommenge durch neu gebaute Anlagen aus.

Erbauer solcher Ökostromanlagen sollen künftig gegeneinander antreten. Sie müssen angeben, wie hoch die Subvention sein sollte, um einen Wind- oder Solarpark wirtschaftlich betreiben zu können. Wer die geringste Förderung benötigt, kommt letztlich zum Zuge. Ziel ist, die Verbraucher im Zuge der Energiewende beim Strompreis zu entlasten. Der Kostenanstieg beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, den die Stromkunden finanzieren, soll gebremst werden.

Entsprechende Eckpunkte für den Umbau der Öko-Stromförderung hatte das Wirtschaftsministerium bereits Ende Juli vorgelegt. Die Grünen kritisieren den Schritt als «weiteres schlimmes Signal» von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor der Klimakonferenz.

Erneuerbare Energien sind inzwischen Deutschlands wichtigste Stromquelle. Der Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch lag im ersten Halbjahr 2015 erstmals bei mehr als 30 Prozent. Er soll von derzeit 33 Prozent auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 steigen und auf 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035. 2050 sollen es mindestens 80 Prozent sein.

Zu dem Anstieg hatte auch die bisherige Förderpraxis nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beigetragen, die Investoren große Sicherheit gab. Es regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz. Dafür gibt es bisher eine feste Vergütung. Diese Subvention kostet jährlich 23 Milliarden Euro.

Die künftigen Ausschreibungen sollen je nach Technologie gestaltet werden. Schon nach den Eckpunkten vom Juli soll es sie für Windkraft an Land, auf See und größere Photovoltaik geben. Kleine und mittlere Solarstrom-Anlagen auf Dächern und Windräder mit einer installierten Leistung von bis zu einem Megawatt sollen ausgenommen werden. Für sie bleibt es bei der Festvergütung.

Keine Ausschreibungen sind zunächst auch bei Biomasse vorgesehen. Übergangsweise ausgenommen werden nach den Leitlinien Windanlagen an Land, die bis Ende 2016 genehmigt und bis Ende 2018 in Betrieb sind. Ebenso Windparks auf See, die bis Ende 2016 eine Zusage zur Netzanbindung oder eine Anschlusskapazität erhalten haben und bis Ende 2020 in Betrieb genommen werden.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte: «Die von Gabriel angekündigten Ausschreibungen entkernen das EEG endgültig.» Nach Solar und Biomasse werde auch der Windenergie an Land der Saft abgedreht: «Das ist die Fortsetzung der Energiepolitik der Energiewende-Abrissbirne Gabriel.» Ausschreibungen drängten nur die dezentrale Bürgerenergie aus dem Markt.

Arbeitnehmer immer länger krank

Die Zahl der Arbeitnehmer, die in ihrem Betrieb krankheitsbedingt mehr als sechs Wochen am Stück ausfallen, steigt stetig.

Langzeiterkrankungen wie Rückenbeschwerden, Krebs, Diabetes oder psychische Störungen machen fast die Hälfte der Fehltage in deutschen Unternehmen aus - Tendenz steigend.

Dies geht aus dem Gesundheitsreport des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. Vor zehn Jahren habe der Anteil der Ausfälle durch langwierige Krankheiten noch bei 41 Prozent und damit 5 Punkte niedriger gelegen als heute.

Mit zunehmender Alterung der Gesellschaft dürften die Fehlzeiten wegen langandauernder und chronischer Krankheiten noch zunehmen. Der BKK-Report zeigt, dass Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenleiden und psychische Störungen die häufigsten Ursachen von Langzeiterkrankungen seien. Auf diese beiden Krankheiten gehe mehr als jeder zweite Krankengeldtag zurück.
In Kleinunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten seien fast die Hälfte aller Fehltage (49 Prozent) mit Langzeiterkrankungen verbunden. Diese Quote liege in Großunternehmen rund zehn Prozentpunkte niedriger. Das hängt offenbar auch mit den Präventionsangeboten zusammen. Unternehmen mit vielen Beschäftigten haben oft bessere Strukturen und Angebote für ihre Beschäftigten in der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Der Vorstand des BKK-Dachverbandes, Franz Knieps, kritisierte: «Das deutsche Gesundheitswesen ist erstarrt in seinen Strukturen.» Es sei nicht am Krankheitsverlauf eines Patienten orientiert, was bei Langzeit-Patienten bitter nötig wäre.

Trotz globaler Informationsvernetzung herrsche noch Abgrenzung und Abschottung in vielen Bereichen - etwa zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen und auch zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung. 2014 war jedes beschäftigte BKK-Mitglied laut Report im Schnitt 16 Tage arbeitsunfähig. Ein Krankheitsfall dauerte demnach im Durchschnitt 12,7 Tage.

Der größte Teil der Gesundheitsausgaben in Deutschland entfällt nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) auf die Behandlung sogenannter Zivilisationskrankheiten wie Rückenbeschwerden, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schätzungen gehen demnach von bis zu 70 Prozent aus. Allen gemeinsam sei, «dass sie oft lebensstilbedingt und damit eigentlich vermeidbar sind - hervorgerufen durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Stress», erklärte die TK. Mit besserer Prävention, mit einer gesünderen Lebensweise ließe sich viel dagegen tun.

Allerdings würden die Anreize im Gesundheitssystem falsch gesetzt. Im Finanzausgleich zwischen den Kassen, dem sogenannten Morbi-RSA, sei es finanziell besonders attraktiv, möglichst viel Krankheit zu dokumentieren. Denn je mehr Krankheiten eine Kasse bei ihren Versicherten nachweisen könne, umso mehr Geld erhalte sie aus dem Gesundheitsfonds.

Diejenigen Kassen würden also finanziell bestraft, die sich zum Beispiel darum kümmerten, dass sich die Zuckerkrankheit eines Versicherten nicht verschlechtere, erläuterte TK-Chef Jens Baas und fügte hinzu: «Ein Gesundheitssystem, in dem niemand mehr ein Interesse an gesunden Menschen hat, ist ein krankes System.»

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