Landfunk 9-12-15

Immer mehr Wölfe unter uns

Die Wölfin von Goldenstedt hat wieder zugeschlagen. Auch die extrahohen Elektrozäune mit satten 8.000 Volt haben sie nicht aufhalten können.

Erneut trifft es Schäfermeister Tino Barth, 13 Tiere hat er damit verloren. «Beim nächsten Wolfsangriff geben wir die Schafszucht auf, denn dann sind wir pleite», sagt Barth zu den Attacken auf seine teils hochprämierten Schafe.

Die Wölfin hat sich an Nutztiere gewöhnt, sie ist in den niedersächsischen Landkreisen Vechta und Diepholz unterwegs. Die Behörden haben ihr bis Mitte November 31 gerissene Tiere innerhalb eines Jahres genetisch nachweisen können, bei 37 weiteren konnte nur noch der allgemeine Nachweis Wolf geführt werden. Danach hat es weitere Risse gegeben.

Der Konflikt zwischen Schäfer und Wolf ist uralt, doch in Deutschland war er fast 200 Jahre lang nur noch in Märchenbüchern ein Thema. Nach der Wiedervereinigung haben sich die Tiere rasant ausgebreitet. «Bundesweit sind vermutlich knapp 400 freilebende Tiere unterwegs», sagt Wildbiologin Britta Habbe, die bei der Landesjägerschaft Niedersachsen für die systematische Beobachtung zuständig ist. Das wären mehr als doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Zunehmend meldeten sich 2015 auch Kritiker dieser Entwicklung zu Wort.

Die meisten Wölfe ziehen hierzulande nach Angaben des Lupus-Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung durch Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. «Es leben wieder rund 31 Rudel, acht Paare und sechs Einzeltiere mit eigenen Territorien bei uns», sagt Lupus-Leiterin Ilka Reinhardt. Die ersten seien vor 15 Jahren aus Polen nach Sachsen gekommen. Von dort hat sich Canis lupus dann in Deutschland vor allem Richtung Nordwesten ausgebreitet.

«Im Süden und Südwesten ist auf jeden Fall mit einer Besiedlung aus der Alpenregion zu rechnen - schon jetzt beobachten wir immer wieder einzelne Wanderwölfe aus Norditalien, Frankreich und der Schweiz.»

Für Reinhardt macht eine Bejagung keinen Sinn: «Dem Schäfer hilft es nicht dauerhaft, wenn man einen Wolf erlegt. Viel wichtiger ist es, ihn bei Schutzmaßnahmen zu unterstützen.» Die Expertin plädiert für Monitoring, Herdenschutz und Öffentlichkeitsarbeit. Das sei wichtig für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Sie begrüßt, dass der Bund eine zentrale Dokumentations- und Beratungsstelle einrichten will.

Nicht nur getötetes Vieh sorgte immer wieder für Schlagzeilen, auch zeigten sich Wölfe mehrfach weit weniger scheu, als erwartet. So lässt sich im schleswig-holsteinischen Mölln ein Wolf am helllichten Tag kaum beim Reißen von Schafen stören, und in Niedersachsen kommen die Mitglieder eines auf dem Truppenübungsplatz Nord bei Munster lebenden Rudels mehrfach bis auf wenige Meter an Menschen heran. Mitten am Tag trollt ein Wolf durch Wildeshausen, bei Goldenstedt wird ein Tier an einem Waldkindergarten gesichtet.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Da wäre die Wölfin von Goldenstedt der erste Wolf, dem es nach der Wiedervereinigung legal an den Kragen geht, doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zwar haben FDP und CDU im Landtag sogar den Abschuss gefordert, doch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel möchte die Wölfin erstmal nur mit einem Sender ausstatten. «Nach derzeitigem Stand ist die Forderung nach Abschuss des Wolfes der Aufruf zum Rechtsbruch», sagt er.

Auch die Anhänger der Wölfe haben gewichtige Argumente: «Der Wolf ist als Rückkehrer in sein ehemaliges Verbreitungsgebiet ein natürlicher Bestandteil unserer Ökosysteme», heißt es etwa beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). «Jeder Förster kann sich eigentlich freuen, wenn der Wolf die oft zu hohen Wildbestände etwas reduziert», sagt Nabu-Wolfsexperte Markus Bathen.

«Er agiert dabei auch als Gesundheitspolizist, der kranke und schwache Tiere bevorzugt.» Gegen eine umfassende Bekämpfung führt Bathen auch grundlegende Bedenken ins Feld: «Prinzipiell obliegt es den Menschen nicht zu entscheiden, ob Tierarten ein Lebensrecht haben», sagt er. «Der Wolf ist keine Erfindung von Naturschützern, sondern ein Ergebnis der Schöpfung beziehungsweise der Evolution.»

Die Debatte über den Wolf wird nicht nur im Internet hitzig geführt, oft stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. «Es gibt bei uns zwei Wolfsbilder», sagt dazu Buchautor Eckhard Fuhr. «Einmal ist da der böse Wolf aus den Märchen», sagt er. Das spiegele uralte Erfahrungen wieder. Auf der anderen Seite stehe das Bild vom Wildnisheiligen, der heilen möge, was der Mensch zerstört hat.

Vielleicht seien auch parallele Verhaltensweisen von Wolf und Mensch ein Grund für das Emotionale der Debatte, meint Fuhr. «Mensch und Wolf waren sozial ganz ähnlich organisierte soziale Jäger», sagt er. «Die Wölfe sind nicht zufällig die Vorfahren unserer Hunde.»

«Vieles wurde in den vergangenen Monaten wahnsinnig aufgebauscht. Es gibt im Moment keine Anzeichen dafür, dass Wölfe bei uns ein unangemessenes Verhalten zeigen», sagt Fuhr. «Wenn sich jedoch ein Tier wie die Wölfin von Goldenstedt auffällig verhält, so muss man konsequent Gegenmaßnahmen ergreifen, die auch auf die Tötung des Tieres hinauslaufen können.»

Fischverzehr im Aufwind

Bei der Frage «Fisch oder Fleisch» fällt die Antwort der Deutschen recht eindeutig aus.

Mit rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr liegt der Fleischverzehr der Bundesbürger noch immer gut viermal so hoch wie der Fischkonsum.

Doch während der Fleischverbrauch seit Jahren rückläufig ist, ist der Fischkonsum im vergangenen Jahr erstmals wieder gestiegen - wenn auch «nur» auf 14 Kilogramm. Einen Teil des Verdienstes für die wachsende Beliebtheit von Fisch können wohl die deutschen Discounter für sich beanspruchen.

Denn Aldi, Lidl und Co. sind dabei, den Markt für Frischfisch in Deutschland aufzumischen. War noch vor nicht allzu langer Zeit frischer Fisch vor allem in Fischfachgeschäften, auf Wochenmärkten und an den Fischtheken größerer Supermärkte zu bekommen, so reicht jetzt in aller Regel der Gang zum Discounter nebenan. Denn die Billiganbieter machten in den vergangenen Jahren gekühlten und unter Schutzatmosphäre verpackten Lachs oder Kabeljau zum festen Bestandteil des Angebots in ihren Kühltruhen.

Die Folge: Allein 2014 erhöhten die Billiganbieter ihren Marktanteil bei Frischfisch nach Angaben des Hamburger Fisch-Informationszentrums (FIZ) auf 25 Prozent und verdrängten damit den Fachhandel vom zweiten Platz in der Verkaufsstatistik. Nur Verbraucher- und Supermärkte brachten zusammen noch mehr Fisch unters Volk. Und auch in diesem Jahr gehe der Siegeszug der Discounter wohl weiter, heißt es bei den Branchenkennern.

Vorreiter waren die Discounter Lidl und Netto. Netto bietet nach eigenen Angaben seinen Kunden bereits seit 2010 von Donnerstag bis Samstag ein wöchentlich wechselndes, frisches Fisch-Sortiment aus dem Selbstbedienungskühlregal an. Lidl offerierte seinen Kunden nach Angaben des Fachblatts «Lebensmittel Zeitung» erstmals im Frühjahr 2014 in allen 3.300 deutschen Filialen ein Frischfisch-Sortiment vom Lachsfilet bis zur Regenbogenforelle.

Doch die Konkurrenz zog bald nach. Auch Aldi hat inzwischen flächendeckend Lachsfilet, Kabeljaufilet und Alaska Seelachsfilet aus der Kühltruhe im Angebot. Die Kundenakzeptanz sei «sehr zufriedenstellend», heißt es. Für die Discounter ist das Fischangebot doppelt lukrativ. Zum einen liegen die Preise und damit wohl auch die Gewinnspannen beim Frischfisch deutlich über denen bei Tiefkühlfisch. Zum anderen können die Discounter mit dem Produkt ihren Qualitätsanspruch unterstreichen.

Der Erfolg der Discounter mit den eingeschweißten Fischprodukten lässt die deutschen Supermarktketten, die lange Zeit vor allem auf Fischtheken in den größeren Geschäften setzten, nicht kalt. Auch Rewe bietet inzwischen in mehr als 1.000 seiner rund 3.500 Rewe-Märkte Frischfisch als SB-Angebot in der Kühltruhe an. Bei den übrigen Märkten werde der Bedarf noch geprüft, heißt es im Unternehmen. Doch sei davon auszugehen, «dass in den kommenden Monaten eine erhebliche Zahl weiterer Supermärkte ebenfalls SB-Frischfisch ins Sortiment nimmt».

Edeka verweist auf Anfrage vor allem auf die Fischtheken in rund 2.000 der 7.500 Filialen des größten deutschen Lebensmittelhändlers. Sie böten im Vergleich zu den Discountern eine große Sortimentsvielfalt und fachkundige Beratung. Wie viele Edeka-Kaufleute darüber hinaus SB-Frischfisch in ihren Kühltheken haben, ließ das Unternehmen offen.

Die wachsende Lust der Bundesbürger auf Frischfisch sorgt auch an anderer Stelle für Bewegung auf dem Markt. Die deutsche PHW-Gruppe - bisher vor allem als Deutschlands größter Geflügelvermarkter mit der Marke Wiesenhof bekannt - will künftig unter dem Namen Windrose auch Frischfisch vermarkten. Dazu plant das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit der isländischen Samherji-Gruppe, das die Kompetenzen beider Partner in den Bereichen Fischverarbeitung und Frischelogistik kombinieren soll.

Auch bei der Deutsche See Fischmanufaktur in Bremerhaven, nach eigenen Angaben Deutschlands Frisch-Fisch-Marktführer, wird der Siegeszug der Discounter sehr genau beobachtet. Zwar findet die Qualität der SB-Fische in den Discounter-Kühltruhen nicht immer Gnade vor den Augen des Deutsche-See-Geschäftsführers Egbert Miebach. Dennoch fällt das Urteil des Experten über den gegenwärtigen Umbruch auf dem Fischmarkt insgesamt positiv aus. «Das wird die ganze Kategorie Fisch beflügeln. Der Hunger der Deutschen auf Frischfisch wächst», ist Miebach überzeugt.

Omas Filterkaffee wieder im Kommen

Filterkaffee wie zu Omas Zeiten erlebt in Deutschlands Küchen ein Comeback.

Als Gegenbewegung zu Kaffeekapseln und Vollautomaten hat es der Handaufguss in angesagten Cafés zwischen Hamburg und München längst wieder auf die Speisekarten geschafft.

Mit der braunen Brühe von der Wärmeplatte aus den «Draußen nur Kännchen»-Zeiten haben diese Kreationen nichts zu tun: Bei einer Barista-Meisterschaft auf der Messe «Food & Life» in München wetteifern Kaffeeprofis um den besten Mix aus Mahlgrad, Röstung und Aufgusstemperatur für den perfekten Filterkaffee.

Auch viele Verbraucher geben dem Brühkaffee nach dem massenhaften Einzug der Vollautomaten und Kapselmaschinen eine zweite Chance: «Der Filterkaffee erlebt eine neue Wertschätzung», sagt Miriam Emmermann vom Deutschen Kaffeeverband. Nach einem leichten Rückgang in den vergangenen Jahren sei der Umsatz mit Filterkaffee inzwischen stabil.

«Wir gehen davon aus, dass auch im Jahr 2015 Filterkaffee die beliebteste Zubereitungsart sein wird.» Der Handaufguss gewinne dabei auch in den Haushalten an Bedeutung. Der Kaffeeröster Tchibo verzeichnet eine steigende Nachfrage nach seinem Porzellanfilter. «Es gibt da eine Renaissance», sagt ein Sprecher.

Vor einigen Jahren war dem Filterkaffee noch ein schleichendes Ende vorausgesagt worden, weil viele Verbraucher ihre alte Maschine gegen eine Pad- oder Kapselmaschine austauschten. Der Rückgang sei allerdings nicht so stark gewesen wie gedacht, heißt es beim Kaffeeröster Dallmayr in München. Mit einem Anteil von 70 Prozent war Filterkaffee 2014 laut Kaffeeverband immer noch mit Abstand die populärste Zubereitungsart in Deutschland.

Pads und Kapseln machten zuletzt rund 13 Prozent aus. Der Kaffeeverband geht davon aus, dass beide Strömungen nebeneinander bestehen bleiben: Nicht jeder wolle aus dem Kaffeekochen schließlich eine Wissenschaft machen, sagt Emmermann. «Diese Verbraucher greifen zu Vollautomaten oder Einzelportionsmaschinen.»

Umweltschützer hoffen darauf, dass vor allem der Kapsel-Kult bald zu Ende geht. «Wenig Kaffee, ganz viel Müll», kritisiert die Deutsche Umwelthilfe und warnt vor tonnenschweren Folgen für die Umwelt durch die Kapseln. «Sie bestehen zu zwei Dritteln aus Kaffee und zu einem Drittel aus Verpackungsmaterial.» Im vergangenen Jahr produzierten drei Milliarden verkaufte Kaffeekapseln nach Berechnungen der Stiftung Warentest rund 5.000 Tonnen Verpackungsmaterial. «Etwa 500 Müllwagen wären notwendig, sie abzutransportieren. Umweltschutz sieht anders aus.»

Daneben sind aus Sicht von Verbraucherschützern auch die Kosten für die Tasse Kaffee ein Thema: Immerhin trinken die Deutschen im Schnitt 162 Liter von ihrem Lieblingsgetränk pro Jahr - das sind rund 650 Tassen. Bei einem Kapselpreis von 35 Cent wie beispielsweise bei Nespresso geht das ins Geld.

«Viele beschweren sich bei uns über die hohen Preise für Einzelportionen», sagt Silke Schwartau, die die Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale Hamburg leitet. Selbst Single-Haushalte, so ihre Empfehlung, können sich auch Filterkaffee portionsweise zubereiten: Mit einem Handfilter und kochendem Wasser - so wie früher. «Das spart Geld und Müll.»

Jeder Zehnte in Deutschland trinkt einer Umfrage zufolge mehr als fünf Tassen Kaffee am Tag. Das geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. Nur eine Tasse am Tag genehmigen sich demnach zwölf Prozent. 20 Prozent der Befragten verzichten ganz auf das schwarze Heißgetränk.

Auch andere Getränke mit wachmachender Wirkung sind beliebt: 31 Prozent der Befragten trinken regelmäßig Cola und andere koffeinhaltige Limonaden. 30 Prozent wählen Tee. Zu Energydrinks greifen zehn Prozent.

Koffein kommt in Kaffee- und Kakaobohnen sowie in Teeblättern vor und wird seit Jahrhunderten von Menschen verzehrt. Energydrinks wird es künstlich zugesetzt. Koffein stimuliert das Herzkreislauf- und das zentrale Nervensystem. Moderat dosiert kann es wacher machen, die Konzentration erhöhen und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Über einen längeren Zeitraum kann ein übermäßiger Konsum zu Herz-Kreislauf-Problemen wie erhöhtem Blutdruck führen.

Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa stellen bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis kein gesundheitliches Risiko für Erwachsene dar. Über den Tag verteilt können gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein vertragen. Vor kurzem wurde eine Studie der University of Colorado veröffentlicht, wonach ein doppelter Espresso drei Stunden vor der üblichen Schlafenszeit die innere Uhr um rund 40 Minuten verzögert.

Milchkühe: Weidehaltung soll besser werden

Mehr Weidehaltung in Niedersachsen: Dafür sprechen sich die Akteure der Charta „Weideland Norddeutschland“ aus. Diese hat jetzt einen neuen Partner.

Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) trat dem Verbund bei. Bei einem Treffen im Grünlandzentrum Niedersachsen gingen die gemeinsamen Überlegungen von der Entwicklung von Weideprodukt-Labelling bis hin zu europäischen Innovationspartnerschaften.

Die Charta „Weideland Norddeutschland“ soll die Weidehaltung als wichtigen Imageträger der Milchwirtschaft stärken. Sie schafft Anreize für die Vermarktung von Weideprodukten, um so Weidewirtschaft und Grünland zu erhalten. Ein Ziel ist die Entwicklung eines Weideprodukt-Labels, von dem die regionale Wirtschaft und Verbraucher profitieren sollen.

„Für die meisten Menschen ist eine weidende Kuh der traditionelle Ankerpunkt einer natürlichen Haltungsform und somit auch Imagefaktor für die Wirtschaft“, so Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums. Durch die Unterzeichnung von BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden erhielt die Weidelandcharta neben Vertretern des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes, der Land- und Molkereiwirtschaft sowie aus Verbraucherschutz, Wissenschaft und Wirtschaft am 1. Dezember 2015 einen weiteren Unterstützer: Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS), die in der BLE angesiedelt ist.

„Das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen ist dabei, sich weiterhin international als zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle für alle Themen und Akteure rund um das Grünland zu etablieren. Der Aufbau europäischer Innovationspartnerschaften ist für eine nachhaltige und gleichzeitig leistungsstarke Agrarwirtschaft von zentraler Bedeutung. Die BLE unterstützt das Grünlandzentrum mit ihrer Expertise als Projektträger im nationalen und internationalen Umfeld sowie als Netzwerkerin im ländlichen Raum“, hob Eiden im Gespräch hervor.


Mit dem Projekt „Weideland Niedersachsen“ will das Grünlandzentrum einen deklarierten Mehrwert durch die Vermarktung von Weideprodukten erzielen. Dabei geht es unter anderem darum, verschiedene Produktionssysteme in der Milchviehhaltung aufrecht zu erhalten. Die DVS hatte das Grünlandzentrum bereits bei seinem Aufbau begleitet und einzelne Veranstaltungen sowie Aktivitäten unterstützt.

Zuviel fruchtbarer Boden geht verloren

Das Internationale Jahr des Bodens ist vorbei – der Bodenschutz allerdings längst nicht am Ziel: Weltweit gehen jährlich etwa 10 Millionen Hektar Ackerfläche verloren – eine Fläche von rund 14 Millionen Fußballfeldern.

Ein Viertel der globalen Bodenfläche enthält heute schon deutlich weniger Humus und Nährstoffe als vor 25 Jahren oder lässt sich gar nicht mehr als Ackerland nutzen. Wesentliche Ursachen sind die Landgewinnung durch Abholzung, Brandrodung, Umbruch und eine intensive, nicht standortangepasste Landwirtschaft. „Fruchtbare und gesunde Böden sind die Voraussetzung für unsere Nahrungsmittelversorgung.

Die Bodendegradation ist eine Ursache für Hunger und Unterernährung – und damit auch für Konflikte und Migration“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA) anlässlich des Weltbodentags. Unsere Böden bilden die Grundlage für unsere Ernährung, sind Lebensraum für Bodenlebewesen, filtern Schadstoffe, schützen das Grundwasser und dienen als Siedlungsfläche. Mehr als 90 Prozent unserer Nahrungsmittel werden auf Böden erzeugt. Ein Hektar fruchtbarer und unversiegelter Boden ernährt – je nach Region – etwa zwei Menschen mit Milch und Fleischprodukten oder ist Grundlage einer Jahresration Brot für mehr als 120 Personen.

In Deutschland werden immer noch mehr als 70 Hektar Fläche pro Tag in  Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Etwa die Hälfte dieser Fläche wird versiegelt, das heißt, sie ist mit Straßen, Wegen, Parkplätzen oder Gebäuden  überbaut, asphaltiert, betoniert, gepflastert oder verdichtet. Diese Siedlungs- und Verkehrsflächen sind für den Anbau von land- und forstwirtschaftlichen Produkten verloren.

Zudem nutzt Deutschland Böden in anderen Teilen der Welt. Als Importeur von  Futtermitteln (z.B. Soja) und Rohstoffen für erneuerbare Energien (z.B. Palmöl) ist unser Handeln gefragt. Auch für die nachhaltige Nutzung der Böden in anderen Ländern, aus denen wir Konsumgüter exportieren, stehen wir in der  Verantwortung. „Ein besserer Bodenschutz, Verhinderung von Erosion und Verwüstung, ein gerechter Zugang zu Landrechten und zu Märkten, eine  bessere Entwicklung des ländlichen Raumes insbesondere in Entwicklungsländern sind damit auch Beiträge für die Beseitigung von Fluchtursachen der Menschen aus diesen Teilen der Welt“, unterstreicht Stefan Schmitz, Sonderbeauftragter der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Im September dieses Jahres haben die Staats- und Regierungschefs auf der UN-Vollversammlung die Globalen Nachhaltigkeitsziele beschlossen. Das wichtigste bodenbezogene Ziel ist eine ausgeglichene Bilanz zwischen Bodendegradation und Wiederherstellung bis 2030 zu erreichen. Wenn Deutschland bei der Umsetzung eine Vorreiterrolle einnehmen möchte, muss die Politik hier klare Zeichen setzen, den Bodenzustand darstellen, Trends erkennen, Maßnahmen beschließen und umsetzen.

Schummeln ist out

Verbraucherfreundliches Machtwort vom BGH: Bei einer Verpackung darf nicht der Eindruck entstehen, dass ein Lebensmittel eine Zutat hat, die gar nicht enthalten ist.

Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall eines mit auffällig mit Himbeeren und Vanille bebilderten Früchtetees.

Es reiche nicht aus, wenn die Zutaten zwar genau aufgeführt seien, die Aufmachung der Verpackung jedoch den Käufer irreführen könne. Entscheidend sei der gesamte Eindruck der Verpackung (Az.: I ZR 45/13).

Verbraucherschützer wie die Organisation foodwatch begrüßten das Urteil: «Das war überfällig.» Zugleich warnten sie: «Viele Produkte sind noch im Handel, die vorne mit großen Früchten locken, diese gar nicht oder nur in homöopathischen Dosen enthalten.» Nach Auffassung von foodwatch müssen Hersteller jetzt «massenhaft Etiketten retuschieren oder Rezepturen überarbeiten».

In dem Rechtsstreit ging es um den - schon seit 2012 aus den Regalen genommenen - Früchtetee «Felix Himbeer-Vanille Abenteuer» des Marktführers Teekanne. Auf der knallroten Verpackung waren neben einem Hasen Himbeeren sowie eine Vanilleblüte abgebildet - und auch der Hinweis, dass in dem Tee «nur natürliche Zutaten» sind. Im Tee selbst waren allerdings nicht mal Spuren von echten Himbeeren und Vanille.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte wegen Irreführung des Verbrauchers geklagt und schon im Juni grundsätzlich Rückendeckung vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekommen (Rechtssache C 195/14): Hersteller dürfen demnach auf der Verpackung nicht mit Bildern von Zutaten werben, die nicht im Produkt enthalten sind.

Der BGH setzte dies nun in deutsches Recht um: «Wenn die Etikettierung eines Lebensmittels und die Art und Weise, in der sie erfolgt, insgesamt den Eindruck entstehen lassen, dass das Lebensmittel eine Zutat enthält, die tatsächlich nicht vorhanden ist, ist eine Etikettierung geeignet, den Käufer über die Eigenschaften des Lebensmittels irrezuführen.» Im Fall des Felix-Himbeertees sei dies aufgrund der in den Vordergrund gestellten Angaben auf der Verpackung der Fall.

Der Hersteller Teekanne wies in einer Mitteilung drauf hin, dass er unabhängig vom Ausgang des Verfahrens schon seit längerem seine gesamten Produktverpackungen «an das in den letzten Jahren stark geänderte Bedürfnis der Verbraucher nach mehr Transparenz angeglichen» habe. Bei der Verwendung von Aromen gebe es nun unmissverständliche Hinweise wie «aromatisierter Früchtetee mit Himbeer- und Vanillegeschmack».

Schweine in Niedersachsen behalten Schwänze

In Niedersachsen dürfen erstmals rund 112.000 Schweine in der Stallhaltung ihre Schwänze behalten.

108 Betriebe beteiligten sich an dem Programm für mehr Tierwohl, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit. Landwirte erhalten pro Tier 16,50 Euro, wenn sie auf das Kürzen der Schwanzes verzichten. Dadurch solle Schritt für Schritt mehr Tierwohl im Stall gefördert werden, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Das Abschneiden der Schwänze ist in der EU aus Gründen des Tierschutzes seit 2001 verboten. Es wurde bisher toleriert, weil in der konventionellen Haltung die Gefahr von Beißattacken unter den Schweinen sehr groß ist.
Bei der Umsetzung der Vorgaben sollen die Landwirte von einem Expertennetzwerk unterstützt werden. In jedem Tierbestand gebe es andere Gründe für das Schwanzbeißen, sagte der Tierarzt und Vorsitzende des Wissenschaftler-Gremiums, Thomas Blaha. Deshalb brauche jeder Betrieb unterschiedliche Maßnahmen, um das zu verhindern. Auch mehr als einer halben Million Legehennen in Niedersachsen soll es in der Stallhaltung bessergehen: 126 Betriebe mit zusammen rund 540.000 Hühnern wollen im Rahmen der Tierwohl-Initiative auf das Kürzen der Schnäbel verzichten. Als Prämie bekommen die Landwirte pro Tier 1,70 Euro.

Regionalen Weihnachtsbaum kaufen

Der Weihnachtsbaum fürs Wohnzimmer sollte nach dem Rat des Naturschutzbundes (Nabu) giftfrei sein und aus heimischen Wäldern kommen.

Darauf sollten Käufer bei der Auswahl achten, appellierte der Nabu-Landesverband Hessen.

«Die meisten Weihnachtsbäume stammen leider aus Kulturen, die durch den massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden Boden, Grundwasser und Lebewesen belasten», sagte Nabu-Landesvorsitzender Gerhard Eppler und empfahl den Kauf von Fichten, Kiefern oder Tannen aus Durchforstung oder aus ökologisch bewirtschafteten Weihnachtsbaum-Kulturen.

Bäume aus der Durchforstung - dabei werden junge Pflanzen aus zu dichten Beständen entfernt - oder von speziellen Standorten wie Hochspannungstrassen seien in der Regel unbehandelt und würden ohnehin gefällt. Wo sie zu haben sind, wisse das örtliche Forstamt.

Der große Gartenratgeber bei Facebook